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Niedersachsen - Eine jüdische Topographie

Niedersachsen – Eine jüdische Topographie

Von Ulrich Knufinke, Katrin Keßler und Mirko Przystawik

Im Januar 2020, parallel mit der Online-Stellung des Denkmalatlas Niedersachsen, startete ein neues Forschungsprojekt des NLD unter dem Titel „Niedersachsen – Eine jüdische Topographie“. Bis zum Jahr 2022 wollen das NLD und die Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur an der Technischen Universität Braunschweig Orte und Objekte jüdischer Kultur und Geschichte unseres Bundeslandes im Denkmalatlas der Öffentlichkeit online zugänglich machen.

Bereits im Mittelalter gab es in norddeutschen Städten jüdische Gemeinden, die jedoch durch die Pogrome des ausgehenden Mittelalters weitgehend vernichtet wurden. Seit der Neuzeit und besonders im 17. und 18. Jahrhundert siedelten sich trotz zahlreicher Beschränkungen in zahlreichen Orten wieder jüdische Familien an und gründeten jüdische Gemeinden mit Synagogen, Friedhöfen, Schulen und anderen Einrichtungen. Die meisten von ihnen umfassten nur wenige Familien, lediglich in den größeren Städten gab es Gemeinden mit mehreren hundert Mitgliedern und entsprechend großen Synagogen. Manche kleine Landgemeinde löste sich im 19. oder frühen 20. Jahrhundert auf, als die Aufhebung der Ansiedlungsbeschränkungen den Umzug in die prosperierenden Städte ermöglichte. Die meisten jüdischen Gemeinden bestanden bis in die Zeit des Nationalsozialismus fort.

Der Druck der antisemitischen Verfolgung, die mit der Zerstörung von Synagogen und der Plünderung von Geschäften, aber auch mit körperlicher Gewalt gegen Jüdinnen und Juden in der Reichspogromnacht 1938 endgültig für alle sichtbar wurde, führte zur Auflösung vieler kleiner Gemeinden. Die meisten, die nicht rechtzeitig emigrieren konnten, wurden im Holocaust ermordet.

Noch heute zeugen zahlreiche Orte, Gebäude und Objekte von der jüdischen Kultur und der deutsch-jüdischen Geschichte Niedersachsens. Viele ehemalige Synagogen, Schulen und andere religiöse oder soziale Einrichtungen, Friedhöfe, Wohnhäuser und Geschäfte jüdischer Bürgerinnen und Bürger sind erhalten – doch oft sind sie bis zur Unkenntlichkeit verändert. Dort und an den Standorten der zerstörten Synagogen und anderer historischer Orte jüdischer Gemeinden erinnern manchmal Denkmale, Stolpersteine oder Informationstafeln an die Menschen, die hier lebten. Wenige ehemalige Synagogen und andere Gemeindeeinrichtungen sind als Museen und kulturelle Orte öffentlich zugänglich, zum Beispiel die Synagoge in Dornum oder das Wohnheim der Jacobson-Schule in Seesen. Die historischen jüdischen Friedhöfe, die wie der in Celle oft über viele Generationen genutzt wurden und so zu einem steinernen „Archiv“ der Gemeinden wurden, werden vom Landesverband der jüdischen Gemeinden betreut. Die heutigen jüdischen Gemeinden Niedersachsens nutzen zumeist neu errichtete Synagogen und Gemeindezentren, manchmal, wie in Braunschweig, am Standort der zerstörten Synagogen, meistens aber an anderen Orten.

Das Projekt des NLD und der Bet Tfila – Forschungsstelle will diese Orte im Denkmalatlas Niedersachsen sichtbar machen. Durch die finanzielle Förderung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur im Rahmen der Förderlinie PRO*Niedersachsen ist es uns möglich, bereits gesammelte Informationen aufzubereiten und bislang unbekannte Objekte zu recherchieren und zu dokumentieren.

Der Denkmalatlas ist bestens geeignet, die historischen „jüdischen Orte“ Niedersachsens nicht für sich allein stehen zu lassen, sondern sie im Kontext der allgemeinen Kulturgeschichte darzustellen – in „Nachbarschaft“ mit den Kirchen, Rathäusern, Schlössern und anderen Denkmalen unseres Landes. Informationen zur jüdischen Ortsgeschichte, zu den Standorten und zu den Bauwerken werden abrufbar sein, historische Abbildungen und aktuelle Fotos vermitteln ein Bild der Objekte. Verknüpfungen zu anderen Datenbeständen in Museen und Sammlungen werden ebenso erstellt wie Verweise auf Websites anderer Institutionen, die weitergehende Informationen vorhalten – dies auch über Niedersachsen hinaus. So wird die jüdische Topographie Niedersachsens immer mehr zum – eigentlich selbstverständlichen – Teil unserer Geschichte und jenes „Erbes“, für dessen Erforschung und Bewahrung zu arbeiten die Denkmalpflege und die universitäre Forschung im besonderen Maße verpflichtet sind.

Ansprechpartner im NLD:

PD Dr.-Ing. Ulrich Knufinke, Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege, ulrich.knufinke(at)nld.niedersachsen.de

Ansprechpartner in der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur, TU Braunschweig:  

Dr.-Ing. Katrin Keßler und Dipl.-Ing. Mirko Przystawik, info(at)bet-tfila.org

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