Gábor Lengyel
Kurzinformation
Kurzbiografie
Dieses Kurzporträt basiert auf einem Beitrag, den Gábor Lengyel im Frühling 2026 verfasst hat. Darin schildert er persönliche Verbindungen und Perspektiven im Kontext von Israel und Niedersachsen:
Rabbiner Dr. Gábor Lengyel lebt und wirkt seit vielen Jahrzehnten in Niedersachsen. Geboren in Ungarn, überlebte er als Kind die Shoah im Ghetto von Budapest. Nach seiner Flucht 1956 wanderte er nach Israel ein und diente in der israelischen Armee. 1965 kam er nach Deutschland – ein Schritt, den er selbst als Gang "ins Land der Mörder" beschreibt. In Braunschweig studierte er Ingenieurwissenschaften und arbeitete über 30 Jahre in der Industrie.
Seit den späten 1970er-Jahren engagiert sich Lengyel in vielfältiger Weise für das jüdische Leben in Niedersachsen. Er studierte in Budapest und Berlin für das Rabbinat und wurde zwischen 2003 und 2009 zum Rabbiner ausgebildet. Später promovierte er in Budapest. Als Rabbiner wirkte er in mehreren Gemeinden in Niedersachsen und wurde zum „Senior Rabbiner der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover“ ernannt. Darüber hinaus war er von 2012 bis 2022 als Dozent an der Leibniz Universität Hannover tätig und ist aktuell Gastdozent am Islamkolleg in Osnabrück. Seit 2018 ist er zudem Rabbiner an der Reformsynagoge in Hamburg.
Lengyel versteht sich als Brückenbauer: Seit über 40 Jahren engagiert er sich in interreligiösen und interkulturellen Dialogen und initiiert Begegnungen zwischen jüdischen, christlichen und muslimischen Gemeinschaften. Für ihn ist es zentral, Erinnerungen wachzuhalten und Menschen an jüdische Werte heranzuführen.
Seine Verbindung zu Israel ist biografisch und bis heute lebendig. Regelmäßige Aufenthalte und persönliche Begegnungen prägen seine Perspektive – zuletzt besuchte er 2025 auch Regionen nahe des Gazastreifens und berichtete anschließend in Vorträgen von seinen Eindrücken. Im Jahr 2023 wurde er zudem zu einem persönlichen Gespräch mit dem israelischen Staatspräsidenten Jitzchak Herzog eingeladen.
Für die Zukunft wünscht sich Lengyel vor allem mehr gegenseitiges Verständnis: "Mehr Empathie füreinander! Lernen zuzuhören und unterschiedliche Narrative kennenzulernen."
Sein Lebensmotto bringt diese Haltung auf den Punkt:
"Betrachte nicht den Krug, sondern dessen Inhalt."
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Autorenschaft:
A. Römling
In dunkler Zeit 1941 wurde er in Ungarn geboren, seine Mutter wurde Opfer der Schoa, sein Vater war (wie Gábor später in Deutschland) jahrzehntelang für jüdisches Leben in Ungarn engagiert. Bis zu seinem 16. Lebensjahr lebte Gábor Lengyel in Budapest, um dann in Israel als Techniker ein neues Kapitel in seinem Leben aufzuschlagen. Auch als Soldat der israelischen Armee war er jüdisch-religiös engagiert, indem er dort zum Beispiel zu Pessach den Seder für die diensttuenden Soldaten abhielt.
1965 bis 1972 studierte er als DAAD- und Friedrich-Ebert-Stipendiat an der TU Braunschweig und arbeitete danach in diversen Managementfunktionen international agierender Industrieunternehmen, zuletzt bei IBM. In seinen ersten drei Lebensjahrzehnten lebte er in drei Ländern: Ungarn, Israel und Deutschland. Gábor hat das Talent, überall, wo er ist, wichtige Dinge voranzubringen und sich dabei immer selbst treu zu bleiben.
Von Mitte der 1960er-Jahre an wirkte er neben seiner beruflichen Tätigkeit in der ihm eigenen Form für und am Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde in Braunschweig nach der Schoa mit. 15 Jahre lang war Gábor Lengyel Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Braunschweig und stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen.
Unter seiner Federführung wurde 1983 das neue Gemeindezentrum in Braunschweig wieder aufgebaut. Aber er war zugleich auch als Vorbeter, Toraleser, »Prediger«, aber vor allen Dingen als Helfer für Gemeindemitglieder, auch für die ab 1991 kommenden Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion.
Ab 1993 lebte und wirkte er in Hannover. Er unterstützte als religiöser Betreuer die Gründung und den Aufbau der Liberalen Jüdischen Gemeinde Ez Chajim in Hannover, später als Rabbiner und Mitglied der Allgemeinen Rabbinerkonferenz die liberalen jüdischen Gemeinden in Niedersachsen.
Jetzt unterstützt Gábor Lengyel die Reformsynagoge in Hamburg als betreuender Rabbiner. Daneben hält er noch einen Lehrauftrag an der Leibniz Universität in Hannover und ist im christlich-jüdischen Dialog seit mehr als vier Jahrzehnten engagiert, wie auch jetzt im jüdisch-islamischen Gesprächen. Die Aufzählung muss unvollständig bleiben.
Quellennachweis:
Jüdischkeit ist sein Lebenskompass, in: JA 13.01.2021 (zuletzt eingesehen am 02.08.2022)
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