Martha Rosenstein
Kurzinformation
Kurzbiografie
Autor: Hubert Brieden, Arbeitskreis Regionalgeschichte e.V.
Emmy und ihre Schwester Martha Rosenstein sahen sich 1935 genötigt, ihre gemeinsam geführte Schneiderei sowie das Geschäfts aufzugeben. 1932 hatten sie noch zwei Gesellinnen und vier Lehrmädchen beschäftigen können, aber das war längst vorbei. Anfang Januar 1936 erfuhren die Leser*innen der Leine-Zeitung durch eine Geschäftsanzeige, dass Friedrich Bahrs am 10. Januar 1936 in den bisherigen Geschäftsräumen der Schwestern, im Eckhaus Neinburger Straße 1 (heute Heini-Nülle-Platz), ein Textileinzelhandelsgeschäfts eröffnen wolle. Der neue Inhaber vergaß nicht, darauf hinzuweisen, dass er nur in "deutschen Fabriken" einkaufe und dass es sich um ein "Rein arisches Unternehmen" handle.
Nach der Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz verließen die beiden Frauen Neustadt und zogen am 15. Dezember 1935 nach Hamburg, Bogenstraße 5. Hier kannte sie nicht jeder, so dass sie zumindest der tagtäglichen persönlichen Diskriminierung eine Zeitlang entgehen konnten. Ihren Verfolgern entgingen sie jedoch nicht, denn ihr Umzug war sowohl in Neustadt als auch in Hamburg registriert worden. Über die näheren Umstände des Geschäftsverkaufs liegen keine Informationen vor, zumal die Geschwister selber nach dem Kriege keine Rückerstattungsansprüche mehr stellen konnten: Nach ihrer Deportation im Dezember 1941 nach Riga (Jungfernhof) verschwanden sie spurlos. Wenn die zu diesem Zeitpunkt immerhin 63 und 65 Jahre alten Frauen nicht gleich nach der Ankunft umgebracht worden waren, dürften sie einer der regelmäßig stattfindenden Selektionen oder den harten Lebensbedingungen im "Reichsjuden-Ghetto" zum Opfer gefallen sein.
Quellennachweis:
Broschüre Stolpersteine Neustadt am Rübenberge (zuletzt eingesehen am 21.07.2026)
H. Brieden, „‚Das jüdische Gebetshaus wurde geschlossen.‘ Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung einer Minderheit in Neustadt am Rübenberge“. Verl. Region + Geschichte, Neustadt, 2007. GBV
Autorenschaft:
H. Brieden
In Erinnerung an Martha Rosenstein wurde am 27. März 2014 am Heini-Nülle-Platz (früher Nienburger Straße 1) in Neustadt am Rübenberge ein Stolperstein verlegt.
Quellennachweis:
Liste der Stolpersteine Neustadt am Rübenberge (zuletzt eingesehen am 21.07.2026)
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Lebensstationen
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