Martha Hünerberg
Kurzinformation
Nach der Plünderung der Wohnung am 9. November 1938 unter der Anleitung führender Neustädter NS-Aktivisten lebte sie zunächst mit ihrem Sohn in Schötmar/Lippe, seit dem 18.4.1939 in Hannover, Am Taubenfelde 30. Vermutlich wurden sie zusammen am 31.3.1942 nach Warschau deportiert. Sie starb mit unbekanntem Datum im Warschauer Ghetto.
Kurzbiografie
Gebetshaus, S. 117 ff.
Autor*innen: Hubert Brieden, Helge Kister, Arbeitskreis Regionalgeschichte e.V.
Während der Novemberpogrome 1938 plünderten Nazis die Wohnung von Martha und Kurt Hünerberg, brachen Möbel auf, raubten Wertgegenstände und warfen Einrichtungsgegenstände auf die Straße. Gestohlen wurden Uhren, Schmuck, Urkunden, Schreibzeug, eine Briefmarkensammlung und vieles mehr. Martha Hünerberg reichte später bei der Neustädter Polizei eine knapp vierseitige Aufstellung der geraubten Gegenstände ein und vermutete, dass der Ortspolizeibehörde vielleicht bekannt sei, wer die Räumung der Wohnung durchgeführt habe und auch in Erfahrung bringen könne, in wessen Händen sich die Schmucksachen befänden, die für sie unersetzbar seien. Doch die Hoffnung auf Hilfe durch die Polizei war vergeblich. Lediglich ein Kasten mit Dokumenten und eine Brosche erhielt sie zurück. Alles andere verschwand in den Taschen der beteiligten Rollkommandos und deren Unterstützer. Außerdem ließ der Neustädter Bürgermeister, dem die Ortspolizei unterstand, auch noch die Sparbücher von Martha Hünerberg sperren und vollendete damit den Raub der SA-Schläger. Schließlich gab er das Konto aber wieder frei, denn die Opfer sollten nicht der öffentlichen Fürsorge zur Last fallen und die Kosten für den Abtransport der zerschlagenen Möbel selbst zahlen.
Der 1924 geborene Kurt war schon in der Schule von einem Nazilehrer als "Judenlümmel" diskriminiert worden, erinnert sich sein Klassenkamerad Hans Hergt. Doch was in dieser Nacht geschah, übertraf alles, was an Gemeinheiten und Gewalt bisher geschehen war. Kurt und Martha Hünerberg mussten ebenso wie Moritz Behrens die Wohnung verlassen, weil Juden nicht mehr mit "Ariern" zusammen im selben Haus leben durften.
Quellennachweis:
H. Brieden und H. Kister, „Vergessene Spaziergänge durch die Neustädter Sozialgeschichte“. Edition Region + Geschichte, Neustadt a. Rbge., 2021. GBV
Autorenschaft:
H. Brieden
In Erinnerung an Martha Hünerberg wurde am 21. November 2015 am Rundeel 1a (früher Nienburger Straße 21) in Neustadt am Rübenberge ein Stolperstein verlegt.
Quellennachweis:
Liste der Stolpersteine Neustadt am Rübenberge (zuletzt eingesehen am 21.07.2026)
Familie und Netzwerk
Lebensstationen
Administrative Angaben
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