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Personen
Recha Freier

Recha Freier

Geburtsname:
Lebensdaten:
geboren: 29.10.1892 in Norden (Landkreis Aurich)
gestorben: 02.04.1984 in Jerusalem
Geburtsort:
Norden (Landkreis Aurich)
Wohnort:
Kulturelle Zugehörigkeit:
Judentum
Geschlecht:
weiblich

Kurzinformation

Weitsichtig rettete die Pädagogin Recha Freier während des Nationalsozialismus mehr als 7.600 jüdische Jugendliche vor Verfolgung und Tod. Ab 1932 organisierte sie die Auswanderungen und gründete in Berlin die Jugend-Aliyah. Im damaligen Palästina erhielten die jungen Flüchtlinge eine landwirtschaftliche Ausbildung. Recha Freier ist einer der frauenOrte Niedersachsen gewidmet worden.

aus: Landesfrauenrat Niedersachsen e.V.: frauenOrte Niedersachsen. Auf den Spuren bedeutender Frauen mit 47 frauenORTEN. Dezember 2021.

Kurzbiografie

Leben und Wirken:

Recha Freier gründete 1932 die Jugend-Alija, welche die Einwanderung von Kindern und Jugendlichen nach Palästina organisierte. Sie spielte eine entscheidende Rolle bei der Rettung tausender jüdischer Kinder und Jugendlicher aus Nazi-Deutschland. Gerade in heutiger Zeit des zunehmenden Nationalismus ist es wichtig Recha Freiers mutiges Lebenswerk im Widerstand gegen den Nationalsozialismus hervorzuheben und auch ihr späteres Wirken dauerhaft bekannt zu machen. Bis heute hat die von Recha Freier gegründete Jugend-Alija 350.000 Jugendliche aus über 80 Ländern unterstützt und ihnen eine Perspektive zunächst in Palästina und dann in Israel geboten. Recha Freier hat ein ausgesprochen hohes Maß an Zivilcourage bewiesen und sich gegen alle Widerstände für ihr Ziel, die Rettung von 10.000 jüdischen Kindern und Jugendlichen, eingesetzt. Sie hat, was die Bedrohung durch den Nationalsozialismus angeht, schon sehr früh eine realistische Einschätzung getroffen und sich auch hier nicht beirren lassen. Gleichzeitig war sie trotz ihres großen Haushalts mit vier Kindern auch eine erwerbstätige Frau, die sich mit Literatur und Übersetzung beschäftigte. Es war ihr wichtig über ihre eigenen Fähigkeiten und Leistungen und nicht über die ihres Mannes, dem Rabbiner Dr. Moritz Freier, definiert zu werden. Damit kann sie auch heute noch ein Vorbild für Frauen sein, die ihren eigenen Weg gehen wollen und sich nicht mit der ihnen zugestandenen Rolle zufriedengeben. Ihre Zivilcourage kann sowohl für Frauen als auch für Männer die Ermutigung sein, sich für andere Menschen einzusetzen.

Recha Freier wurde am am 28.10.1892 geboren und verlebte ihre ersten fünf Lebensjahre in der Kleinstadt Norden (Ostfriesland) an der Nordseeküste. Ihre Eltern waren Manasse Schweitzer (1856-1929) und Bertha Schweitzer (geborene Levy). Sie hatte drei Brüder: Wilhelm Benjamin Schweitzer (1891-1943), Arthur Aharon Schweitzer (1894-1915) und Dr. Eddie Yehudit Schweitzer (1897-1987). Ihr Vater arbeitete als Kantor der jüdischen Gemeinde und als Volksschullehrer an der jüdischen Volksschule. 1897 zog die Familie nach Glogau (heute Glogow). Im Anschluss an ihr Abitur studierte sie neue Sprachen und Volkkunde in Breslau. 1919 heiratete sie den Rabbiner Moritz Freier (1889–1969). Der Ehe entstammen vier Kinder (die Söhne Shalvet, geboren 1920; Ammud, geboren 1923; Zerem, geboren 1926; und die Tochter Ma‘ayan, geboren 1929). Nach der Heirat zog das Paar nach Eschwege, später nach Sofia (Bulgarien), wo Recha Freier eine zionistische Mädchengruppe gründete. Moritz Freier bekam den Ruf nach Berlin um drei Synagogen zu versorgen. In Berlin begann 1932 ihre Arbeit für die Jugend-Alija, der Organisation für Jugendliche zur Auswanderung nach Palästina um das Heilige Land mit aufzubauen. Nur wenige hatten zu dieser Zeit Verständnis für Recha Freiers Absicht, jüdische Kinder und Jugendliche durch die Ausreise nach Palästina vor dem Nationalsozialistischen Regime zu retten. Häufig stieß sie auf Widerstand, da die Repräsentanten der jüdischen Organisationen und die Mehrheit der deutschen Jüdinnen und Juden eine Auswanderung ablehnten. Hinzu kam, dass die Kinder und Jugendlichen ohne ihre Eltern auswandern sollten. Vielen Eltern fiel es schwer, ihre Kinder alleine auswandern zu lassen. Je unerbittlicher die nationalsozialistische Verfolgung von Jüdinnen und Juden wurde, desto mehr Unterstützung erfuhr die Idee der Jugend-Alija durch jüdische Organisationen. Von 1932 bis 1939 konnten rund 4.500 Jugendliche mit Hilfe der Jugend-Alija von Deutschland und Transitländern aus nach Palästina fliehen. Diese Arbeit ging bis 1939 gut, wurde aber immer schwieriger. Recha Freiers Söhne waren schon nach London geflohen, ebenso wie Rabbiner Moritz Freier. Mit ihrer Tochter floh sie Ende 1940 über Wien, Zagreb und Istanbul nach Palästina, wo sie 1941 ankam. Auf ihrer Flucht war es ihr noch gelungen 120 Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor dem sicheren Tod durch Deportation zu retten. Nachdem ihr Rettungswerk beendet war, gründete sie 1943 eine Begegnungs- und Lernstätte für Kinder und Jugendliche aus sozial schwierigen Verhältnissen. Später befasste sie sich mit Musik. Sie schrieb Gedichte und Libretti für Opern und andere Musikstücke. 1975 würdigte die Hebrew University in Jerusalem Recha Freier für ihre Lebensleistung mit dem Ehrendoktortitel. 1981 erhielt sie für ihre Verdienste die höchste Auszeichnung des israelischen Staates, den Israel-Preis. Recha Freier starb am 2. April 1984 im 92. Lebensjahr in Israel.

Quellennachweis:
Landesfrauenrat Niedersachsen e.V.

Nachwirken:

Nach ihrem Tod wurde in Jerusalem in der Nähe ihres Wohnhauses ein Platz nach Recha Freier benannt. Im Kibbuz Yakum trägt das Kulturzentrum in Erinnerung an Recha Freier ihren Namen. Die Stadt Norden würdigte Recha Freier 2013 mit einer Gedenktafel und benannte einen Platz im Stadtzentrum nach ihr. Im April 2014 wurde die Stadt Norden durch den Landesfrauenrat Niedersachsen zum frauenORT Recha Freier ernannt. Eine Sonderbriefmarke zum Gedenken an Recha Freier wurde 2018 in Israel herausgegeben.

Quellennachweis:
Landesfrauenrat Niedersachsen e.V.

Seit dem 26. November 1984 gibt es in Berlin im Jüdischen Gemeindehaus, Fasanenstraße 79/80, eine Gedenktafel zur Erinnerung an Recha Freier und ihre Arbeit.

Quellennachweis:
Wikipedia Recha Freier (zuletzt eingesehen am 25.04.2024)

Lebensstationen

Wohnorte:
Norden
Breslau
Eschwege
Sofia, Bulgarien
Berlin

Lektüre

Literatur zur Person:
https://www.jfda.de/post/gedenken-recha-freier, https://www.jfda.de/post/gedenken-recha-freier
https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8820.1&object=tx%7C3170.8820.1, https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8820.1&object=tx%7C3170.8820.1
Schütz, Chana , Simon, Hermann , Maierhof, Gudrun Aus Kindern wurden Briefe, die Rettung jüdischer Kinder aus Nazi-Deutschland ; [Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum vom 29. September 2004 bis 31. Januar 2005 ; zur Ausstellung "Aus Kindern Wurden Briefe"], Edition Berlin, 2004, GVK
Dick, Jutta , Sassenberg, Marina Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert, Lexikon zu Leben und Werk, 1993, GVK
Verknüpfte Normdaten:
Recha Freier Wikidata (zuletzt eingesehen am 21.12.2023)mehr erfahren
Freier, Recha (1892 - 1984) GNDmehr erfahren

Administrative Angaben

Datensatz erzeugt:
2022-09-26T11:28:32Z
Zuletzt geändert am:
2024-04-25T13:06:33Z
In Portal übernommen am:
2024-07-22T15:44:59+02:00

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